Die Architektur ist eine alte Kunst, die schon in der Antike hohe Wertschätzung erfuhr. Die prunkvollsten Bauten, die Tempel, wurden für die Götter errichtet. Erst in der römischen Kaiserzeit wurden die Paläste der Herrscher zu den größten und wichtigsten Gebäuden.
Jede gesellschaftliche Hierarchie lässt sich auch in der Architektur ablesen. Im Mittelalter spielt der christliche Glaube eine wichtige Rolle. Deswegen waren es die gotischen Kathedralen, die weit über alle anderen Bauten ragten. Diese „Lufthoheit“ der Kirchen lässt sich auch heute noch in vielen kleinen Dörfern beobachten. Die Kirche ist dort meist das höchste Gebäude. Es hat lang gedauert, bis in Europa die profane Architektur höher gebaut wurde als die Kirchtürme. Heute ist es selbstverständlich, dass eine Großstadt geprägt wird von Hochhäusern.
Wer wissen will, wie in der westlichen Gesellschaft die Hierarchien aufgebaut sind, sollte sich New York anschauen. Die höchsten Gebäude gehören der Privatwirtschaft. Oft sind darin Banken oder multinationale Konzerne untergebracht. In Deutschland lässt sich dieses Phänomen besonders gut in Frankfurt beobachten. Wer als Architekt in Frankfurt baut, muss sich mit der berühmten Skyline des Bankenviertels auseinandersetzen. Vielleicht werden aber in Zukunft andere Branchen in den Wolkenkratzern untergebracht sein. Durch die Finanzkrise, die 2008 begonnen hat, steht die Vormachtstellung der Banken erstmals ernsthaft infrage. |